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Zweifelhafter Sieg
Es war vorbei. Obi-Wan Kenobi stand am Kraterrand und blickte in die Tiefe.
Unten konnte er in all dem Schwefeldampf und Rauch schemenhaft die seltsam
verkrümmte Gestalt seines besiegten Gegners erkennen. Gegner? Der
Mann der dort unten lag, war sein Freund gewesen. Und sein Schüler.Wie
hatte er nur so vermessen sein können zu glauben, daß er Anakin
Skywalker ebenso gut in den Wegen der Macht unterweisen könne wie
Meister Yoda? Er hätte doch wissen müssen, daß nur ein
Jedi-Meister einen Machtbegabten unterweisen kann. Ja, wenn er es sich
selbst eingestand, er hatte es gewußt. Doch es war Krieg. Zuviele
Jedi waren in den Klon-Kriegen gefallen. Anakin Skywalker war überaus
machtbegabt und Obi-Wan beschloß ihn, entgegen allen Regeln, auszubilden.
Am Anfang entwickelte sich auch alles nach seinen Wünschen und Vorstellungen.
Sein Freund brannte förmlich darauf, die Möglichkeiten, die
die Macht bot, zu nutzen. Wie ein Schwamm sog er das jahrtausende-
alte Wissen und Können der Jedi auf, das ihn sein Lehrer vermittelte.
Aber Obi-Wan spürte auch die unterschwellige Ungeduld seines Schülers.
Doch er hoffte, daß Anakin es mit dem Fortschreiten seiner Ausbildung
lernen würde Geduld zu üben. Das war, wie sich nur zu bald herausstellen
sollte, eine trügerische Hoffnung. Heute hatte Obi-Wan gespürt,
daß es sich irgendwie seltsam anfühlte, als Anakin nach der
Macht griff. Kälte, tödliche Kälte umfing ihn plötzlich.
Alarmiert schaute er zu seinem Schüler, der mit Hilfe einer elektronischen
Trainingseinheit den Kampf mit dem Lichtschwert übte. Mit Entsetzen
sah er, wie Anakin in blinder Wut auf die Trainingseinheit einschlug,
die dann in zwei Hälften gespalten zu Boden fiel. Schweratmend nahm
sein Freund den Helm ab und blickte auf das, was er angerichtet hatte.
Obi-Wan erhob sich und ging auf ihn zu. "Weißt Du, was Du eben
getan hast, Anakin?" Der so angesprochene nickte. "Ja, Obi-Wan,
ich nutzte die Dunkle Seite der Macht." Kenobi konnte nicht fassen,
was er da hörte. "Du hast es bewußt getan?" Anakin
zuckte mit den Achseln. "Ja. Es ist der schnellere, leichtere Weg.
Weißt Du, was für eine Überlegenheit einem die Dunkle
Seite verleiht?" Obi-Wan schüttelte den Kopf. "Komm zur
Vernunft, Anakin. Du beschreitest einen gefährlichen Weg, der in
Tod und Verderben enden kann. Noch niemand hat es geschafft sich von dem
Dunklen Pfad abzuwenden." Anakin wandte sich brüsk um und ging
zum Rand des Kraters. "Was verstehst Du denn schon davon? Du bist
zu feige die wahren Möglichkeiten der Macht zu nutzen. Palpatine
hat mir gezeigt, wo mein wahres Potential liegt. Er ist nicht so übervorsichtig
wie Du." Senator Palpatine - er haßte die Jedi und es wurde
gemunkelt, daß er ein Anhänger der Dunklen Seite sei. Obi-Wan
ging auf seinen Freund zu. "Bitte, Anakin, sei vernünftig und
entsage der Dunklen Seite der Macht." Sein Freund schüttelte
den Kopf. "Niemals, Obi-Wan. Du kannst mich nicht aufhalten."
Im selben Augenblick aktivierte er sein Lichtschwert und griff Kenobi
an. "Die Dunkle Seite ist stärker." Es war ein zäher
und verbissener Kampf und fast schien es, als ob Anakin seinen Freund
und Mentor besiegen würde. Doch eine kleine Unaufmerksamkeit kostete
ihn den Sieg und führte ihn ins Verderben. Anakin hatte in der Hitze
des Kampfes nicht bemerkt, daß er sich gefährlich nahe am Rand
des Kraters befand. Er holte gerade zum tödlichen Schlag aus, als
er das Gleichgewicht verlor und in den Krater stürzte. All diese
Bilder gingen Obi-Wan noch einmal durch den Kopf, als er auf den am Grund
des Kraters liegenden Anakin blickte. Er zuckte innerlich mit den Achseln
und ihm kam der Gedanke, daß es so vielleicht besser war. Noch niemand
war je von der Dunklen Seite zurückgekehrt. Er bückte sich nach
dem am Boden liegenden Lichtschwert Skywalkers, das dieser vor seinem
tiefen Fall verlo-
ren hatte und hob es auf. Nach einem letzten Blick in den Krater wandte
er sich ab und ging dann mit der Gewißheit davon, daß sein
Freund tot war.
© Claudia
Riedel 1999
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