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Abschied
Obwohl durch das offene Fenster die Kühle der tatooinischen Nacht
drang, fand der Jedi Ulic Bel-Baal keinen Schlaf. Unruhig wälzte
er sich hin und her. Er mußte endlich zu einer Ent-scheidung kommen.
Zuviele Gedanken und Emotionen gingen in seinem Kopf herum, es war ihm
nicht möglich zu einem Entschluß zu kommen. Schließlich
setzte er sich auf. Sein Blick glitt zu seiner Verlobten Silya Starrider,
die friedlich neben ihm lag und schlief. Keine Sorgen störten ihren
Schlummer. Das sanfte Mondlicht umschmeichelte ihre regelmäßigen
Gesichtszüge. Wie sehr liebte er diese Frau. Seine Liebe zu ihr war
nur noch stärker gewor-
den, seit er wußte, daß sie sein Kind in ihrem Leib trug.
Gestern hatte er zum ersten Mal die Präsenz des werdenden Lebens
in der Macht gespürt. Ganz schwach nur, aber doch unzweifelhaft erkennbar.
Silya würde in 8 Standardmonaten seine Tochter gebären. Noch
ahnte sie nichts von ihrer Schwangerschaft, denn sie war, im Gegensatz
zu ihm, vollkommen machtblind und er hatte ihr nichts davon gesagt. Er
lächelte wehmütig bei dem Gedanken, daß seine Tochter,
trotz der Machtblindheit ihrer Mutter, eine Jedi sein würde. Wie
sehr hatte er sich ein Kind gewünscht und nun, wo ihm sein sehnlichster
Wunsch erfüllt wurde, mußte er fort. Er hatte bei genauerem
Nachdenken keine andere Wahl. Der frühere Senator Palpa-
tine hatte sich zum Ende der Klon-Kriege zum Imperator ausrufen lassen.
Kaum hatte er die Macht an sich gerissen, begann er systematisch mit der
Verfolgung und Vernichtung der Jedi. Er haßte und verabscheute die
Hüter des Friedens und der Gerechtigkeit in der Galaxis abgrundtief.
Sein williger Handlanger und Vollstrecker war ein ehemaliger Jedi namens
Darth Vader. Soviele Jedi waren ihm schon zum Opfer gefallen. Es gab keine
Möglichkeit sich vor ihm zu verbergen. Vor zwei Standardwochen hatte
Vader Ulic auf diesem entfernten Planeten im Outer Rim aufgespürt.
Und dabei hatte er sich hier, so weit weg von den Kerngebieten, sicher
gefühlt. Doch diese Sicherheit war, wie er mit Entsetzen feststellen
mußte, trügerisch. Vader stellte ihn vor die Alternative, sich
entweder der Dunklen Seite der Macht hinzugeben oder auf der Stelle getötet
zu werden. Er war nur ein schwacher Mensch und willigte ein, sich in den
Wegen der Dunklen Seite unterweisen zu lassen. Er hoffte, sich später
von dem dunklen Pfad den er betreten würde wieder abwenden zu können.
Als er erkannte, daß es für ihn kein Zurück mehr geben
würde, war es bereits zu spät. Noch war nicht alles, was einst
gut in ihm war, durch Vaders Training abgetötet worden, doch der
Zeitpunkt war nicht mehr fern, wo ihm Liebe, Freundschaft und Vertrauen
nichts mehr bedeuten würden. Nachdenklich sah er auf die Frau, die
sein Kind gebären würde. Bis jetzt war es ihm gelungen, diesen
Punkt in seinem Bewußtsein vor dem tastenden Suchen Vaders abzuschirmen.
Doch wie lange noch würde es ihm gelingen, wenn er immer tiefer in
die Abgründe der Dunklen Seite hinabstieg? Es gab keinen anderen
Ausweg. Um Silya und seine ungeborene Tochter zu schützen, mußte
er gehen, ehe es zu spät war. Gestern hatte er mit seinem Freund
Jula Darklighter gesprochen und ihn gebeten, sich um Silya und das Kind
zu kümmern, falls ihm etwas zustoßen sollte. Er spürte,
wie ihm Tränen das Gesicht hinabliefen und auf seine Hände tropften.
Die Qual zerriß ihm fast das Herz, doch bald würde er solche
Emotionen nicht mehr haben. Er würde dann genauso seelenlos wie Lord
Vader sein. Ulic schauderte bei dem Gedanken. Er erhob sich und zog seine
Kleidung an. Es war besser, wenn er jetzt gleich ging, ehe Silya erwachte.
Wenn sie ihn bitten würde zu bleiben, würde er nicht mehr die
Kraft dazu haben und sie und sein Kind ins Verderben reißen. Leise
ging er in den Wohnraum und schrieb hastig eine kurze Nachricht auf das
dort liegende Datapad, in der er Silya mitteilte, daß er plötzlich
zu seiner Einheit abkommandiert wurde und nicht bis zum Morgen warten
konnte. Dann ging er noch einmal in den Schlafraum. Liebevoll glitten
seine Blicke über die im Mondlicht gebadete Gestalt seiner Verlobten.
Er seufzte bei der Erinnerung daran, wie oft sie sich in diesem Bett geliebt
hatten. Dann wandte er sich ab und ging. Es war ein Abschied für
immer.
© Claudia Riedel 1998
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