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Gedanken eines Besiegten?


Lord Darth Vader stand im großen Saal seines Palastes auf Coruscant und blickte aus dem großen Transparistahlfenster auf die Lichter von Imperial City. Niemand wagte es, ihn in seinen Gedanken zu stören. Der Schwarze Lord der Sith wandte sich von dem atemberau-
benden Anblick, der sich ihm bot, ab und ging mit schweren Schritten auf einen aus einer exotischen Holzart handgearbeiteten Stuhl zu und setzte sich. Seit der Vernichtung des Todessterns waren erst zehn Standardtage vergangen. Heißer Zorn kam in ihm bei dem Gedanken an die Unfähigkeit Grand Moff Tarkins die Situation einzuschätzen hoch. Er hatte ihn immer wieder gewarnt, sich nicht alleine auf die Überlegenheit der im Schlundzentrum entwickelten Kampfstation zu verlassen. Doch Tarkin schlug alle Warnungen Vaders in den Wind. Er hatte eben nicht die Weitsicht eines Dunklen Jedi, sondern war nur ein Mensch mit all seinen Schwächen und Fehlern. Seine Überheblichkeit hatte letztendlich zu diesem Desaster geführt, das auch fast Vaders Leben gekostet hätte. Nach dem fatalen Zusammen-
prall mit seinem Flügelmann im Graben des Todessterns, wurde er in die Tiefen des Weltraums hinausgeschleudert. Nur seinen überragenden Pilotenfähigkeiten und der Tatsache, daß er einen für ihn entwickelten TIE Prototyp flog, hatte er sein Überleben zu verdanken. Nach zwei Standardtagen wurde er von einem Sternenzerstörer aufgenommen und nach Imperial City gebracht. Dort erstattete er dem Imperator Bericht, der nicht gerade erfreut darüber war, was geschehen war. Unbewußt ballte er seine künstliche rechte Hand, die ihn ewig an diesen Tag erinnern würde, zur Faust. Doch er hatte dem Imperator nicht alles berichtet. Eine Information hielt er wohlweislich zurück: Die Tatsache, daß er bei dem letzten Piloten, der sich im Graben befunden hatte, die Macht gespürt hatte. Erstaunlich, denn er dachte, daß mit dem Tod von Obi-Wan Kenobi das Feuer der Jedi endgültig erloschen war. Er hatte Spione ausgesandt, um mehr Informationen über diesen Piloten zu erhalten. Selbst bei den Rebellen, da war er sich sicher, war für den richtigen Preis von den richtigen Leuten alles zu bekommen. Vader lächelte hinter der obsidianschwarzen Maske, die sein Gesicht verbarg. Ja, er würde bald, sehr bald die nötigen Informationen haben und dann würde er entscheiden, was zu tun ist. Es klopfte und auf seine Aufforderung hin, betrat einer seiner Spione den Raum. Befriedigung erfüllte ihn, als er durch die Macht die Furcht des Mannes spüren konnte. Ungeduldig winkte er ihn zu sich heran, als dieser zögerte sich dem Schwarzen Lord zu nähern. "Nun, was haben Sie zu berichten?" Der Mann sammelte sich und blickte Lord Vader an. "Wir haben die Informationen, die Ihr gewünscht habt, mein Lord. Der Rebellenpilot heißt Skywalker - Luke Skywalker." Ein kaum merkliches Beben ging durch die Gestalt des Dunklen Jedi. Skywalker - ein Name aus einer längst vergangenen Zeit. Ein Name, den er fast vergessen hatte. Sein Name. Er sah auf das Datapad, das ihm der Mann gereicht hatte. Luke Skywalker - dem Alter nach könnte dieser Junge sein Sohn sein. Nun, er würde sich darum kümmern. Mit einer Handbewegung entließ er den Mann, der ihm die Information gebracht hatte. Er erhob sich und ging langsam zu dem großen Transparistahl-
fenster. Wieder blickte er auf die Lichter von Imperial City, während er über die sich eröffnen-
den Möglichkeiten nachdachte.

© Claudia Riedel 1999