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Das letzte Versagen
Captain Ral Orlans stand auf der Kommandobrücke der ISD "Dominator".
Er blickte durch das große Fenster auf Myriaden Sterne. Dort draußen
waren noch viele Planeten, die auf die Befriedung durch das Imperium warteten.
Früher oder später würden alle Sternensysteme der Galaxis
der Neuen Ordnung des Imperators folgen. Er hätte zufrieden sein
können. Für sein Alter hatte er schon viel erreicht; obwohl
es zu Beginn seines Lebens denkbar schlecht für ihn aussah. Aber
mit einem zähen Willen und beachtlicher Energie hatte er es geschafft.
Er war der beste seines Jahrgangs auf der imperialen Akademie von Carida
gewesen. Seine Leistungen erregten die Aufmerksamkeit des Imperators und
des Schwarzen Lords der Sith, Darth Vader. Nun unterstand er als Captain
der "Dominator" Vaders persönlichem Komman-
do. Nur ihm war er Rechenschaft über seine Handlungen schuldig. Oh,
es war nicht leicht unter Lord Vader zu dienen, doch bis jetzt hatte Captain
Orlans es immer geschafft ihn zufriedenzustellen. Andere vor ihm waren
nicht so glücklich gewesen. Es war allgemein bekannt, daß Vader
Fehler und Versagen nicht toleriert. Viele Offiziere des Imperiums hatten
ihr Versagen mit dem Leben bezahlt. In den Reihen des Imperiums gibt es
keine Versager und wenn, dann nicht lange. Gerüchte gingen um, daß
Vader einen Mann töten konnte, ohne einen Finger zu rühren.
Sein letztes Opfer soll Admiral Ozzel gewesen sein, der beim Angriff auf
die Rebellen-Basis im Hoth-System versagt hatte. Ral griff sich bei dem
Gedanken an die Kehle. Auch er hatte schon einmal das Gefühl gewürgt
zu werden, als er dem Schwarzen Lord melden mußte, daß er
versagt hatte. Es war kein angenehmes Gefühl gewesen, als sich die
unsichtbaren Hände um seine Kehle schlossen. Nach kurzer Zeit ließ
das Würgen nach und Vader sagte: "Enttäuschen Sie mich
nicht noch einmal, Captain Orlans." Dann ging er mit wehendem Umhang
von der Brücke und ließ ihn mit seinen Gedanken allein. Und
es waren damals wahrhaftig keine angenehmen Gedanken. Nein, ganz und gar
nicht. Ral mußte sich eingestehen, daß er in diesem Augenblick
zum erstenmal Angst empfunden hatte.
Nun wartete er wieder auf das Erscheinen seines Herrn, dem er einen Mißerfolg
melden muß. Er seufzte und sah auf das Datapad, das er in der Hand
hielt. Es hatte alles so vielver-
sprechend angefangen und nun das. Captain Orlans drückte einen Knopf
und auf dem Datapad erschien das Bild einer jungen, rothaarigen Frau.
Er las noch einmal den dazuge-
hörigen Bericht, obwohl er ihn schon längst auswendig konnte.
Sie war eine Rebellin, eine Terroristin, die dem Imperium schon mehr als
einmal empfindliche Verluste beigebracht hatte. Nun war sie tot. Er fühlte
ein leichtes Bedauern. Irgendwie hatte er sie, obwohl sie eine Feindin
war, gemocht, vielleicht sogar geliebt. Ja, geliebt, er mußte es
sich eingestehen. Es war alles so falsch, was er getan hatte. Schon lange
hatte er über Com heimlich Kontakt mit der Frau gehabt. Er hatte
so sehr gehofft, sie von dem falschen Weg, den sie eingeschlagen hatte,
abzubringen. Sie war eine X-Wing Pilotin der Rogue Squadron und um in
dieser Ein-
heit der Rebellen zu dienen, mußte man schon verdammt gut sein.
Nomi Darklighter wäre eine große Bereicherung für die
imperiale Flotte gewesen und vielleicht hätten sie auch privat zueinander
gefunden. Doch nun war alles aus und vorbei. Der Imperator hatte großes
Interesse an ihr gezeigt. Lord Vader hatte Ral erzählt, daß
sie machtsensitiv sei. Er verstand nicht viel von diesen Dingen, aber
es schien von großer Bedeutung für Vader und den Imperator
zu sein. Sein Comkontakt war nämlich trotz aller Vorsicht nicht unentdeckt
geblie-
ben. Vader stellte ihn damals zur Rede. "Sie haben Kontakte zu Rebellen,
Captain Orlans." Er fühlte, daß leugnen keinen Sinn haben
würde. "Ja, mein Lord." Der Schwarze Lord sah ihn an. "Sie
geben es zu?" Ral nickte leicht. "Ja, mein Lord, ich habe Kontakt
zu einer Rebellin. Ich versuche sie zum Überlaufen zu überreden.
Sie könnte für das Imperium sehr wertvoll sein." Vader
nickte nachdenklich. "Vielleicht, Captain Orlans. Wie ist der Name
der Rebellin?" Ral zögerte. "Nun?" "Ihr Name
ist Nomi Darklighter, mein Lord." Er hatte den Eindruck, als wäre
der Schwarze Lord bei der Nennung des Namens leicht zusammengezuckt. Doch
das konnte auch eine Sinnestäuschung gewesen sein. "Diese Frau
wäre in der Tat sehr wertvoll für das Imperium. Sie ist machtsensitiv,
auch wenn sie davon wahrscheinlich nichts weiß. Halten Sie weiterhin
Kontakt mit ihr, Captain Orlans." Ral verbeugte sich leicht. "Wie
Sie wünschen, Lord Vader."
Im Laufe der Zeit wurden die Gespräche mit Nomi immer vertrauter.
Trotzdem widerstand sie weiterhin seinen Versuchen, sie zum Überlaufen
zu überreden. Im Gegenteil, sie versuchte ihrerseits ihn für
die Sache der Rebellion zu gewinnen. Vor einer Standardwoche berichtete
sie ihm dann, daß sie bei einem mißglückten Angriff der
Rogue Squadron auf die ISD "Abrogator" beinahe von Colonel Soontir
Fel getötet worden wäre. Nebenbei machte sie eine Bemerkung,
die mit einem Schlag all seine Hoffnungen zunichte machte. "Fel hätte
auf ein-
mal vier Leben vernichtet..." Nomi Darklighter war schwanger. Sie
trug die Kinder von einem Söldner und Schmuggler namens Dash Rendar
in ihrem Leib. Obwohl er gewußt hatte, daß sie an diesen Mann
gebunden war, hatte er doch noch immer die Hoffnung in seinem Her-
zen genährt, daß sie ihm eines Tages ganz gehören würde.
Rasende Eifersucht kam in ihm hoch. Bisher hatte er versucht, sie vor
dem Zugriff Vaders und des Imperators zu schützen, aber nun war alles
anders. Unwissentlich hatte sie ihm selbst die Waffe in die Hand gege-
ben, die sie dem Imperium ausliefern würde. In dem gleichen Gespräch
bat sie ihn, etwas für ihren jüngeren Bruder Gavin zu tun. Er
war auf ihrem Heimatplaneten Tatooine mit ande-
ren jungen Leuten vom Imperium auf der Suche nach Machtsensitiven gefangengenommen
worden. Gavin Darklighter war nicht wie seine Schwester machtsensitiv
und hätte freigelas-
sen werden können. Doch Ral machte Lord Vader darauf aufmerksam,
daß Gavin Nomis Bruder ist. "Der Gefangene in Zelle 897 des
Inhaftierungsblocks CC-38 ist der Bruder der Rebellin Nomi Darklighter,
mein Lord. Und dann kann ich Euch noch eine interessante Neuigkeit mitteilen,
mein Lord. Sie ist mit Drillingen schwanger." Diese Nachricht ließ
den Schwarzen Lord aufhorchen. "Schwanger?" Ral nickte. "Ja,
mein Lord. Sie hat es mir selbst erzählt." "Nun, damit
ist sie für den Imperator doppelt wertvoll. Sorgen Sie dafür,
daß die Frau erfährt wo ihr Bruder festgehalten wird. Tun Sie
so, als ob ihnen die Information nur verseh-
entlich entschlüpft ist. Wenn Nomi Darklighter eine so starke Bindung
an ihren Bruder hat, wie Sie sagen, wird sie kommen um ihn zu befreien.
Sie werden sie mit Ihren Männern gefangennehmen, Captain Orlans.
Dann werde ich sie zum Imperator bringen, der sich ihrer persönlich
annehmen will. Das die Rebellin auch noch schwanger ist, ist ein besonderer
Glücksfall, denn auch ihre Kinder werden machtsensitiv sein. Sie
darf bei ihrem Befreiungs-
versuch auf keinen Fall verletzt oder getötet werden, Captain. Ich
rate Ihnen, mich nicht noch einmal zu enttäuschen."
Nomi ging ihnen tatsächlich in die Falle. Ganz alleine kam sie auf
die "Dominator", um ihren Bruder zu befreien. Nur mit einem
Blaster bewaffnet marschierte sie in den Inhaftierungs-
block CC-38. Doch dort wurde sie bereits von Ral und einer Squadron Stormtrooper
erwartet. Sie lieferte sich mit ihnen ein heftiges Feuergefecht. Die Stormtrooper
hatten auf Rals Befehl ihre Blaster auf `Stun´ eingestellt. Nomi
hatte die Zelle ihres Bruders fast erreicht, als ein übereifriger
Stormtrooper seinen Blaster auf `Töten´ umstellte und sie in
den Rücken schoß. Ral konnte es nicht verhindern. Als er sah,
wie Nomi tödlich getroffen zu Boden sank, schrie er auf und rannte
zu ihr. Er kniete nieder und hielt die Sterbende in seinen Armen. Zärtlich
strich er ihr die Haare aus dem Gesicht. "Bitte, Nomi, Du darfst
nicht sterben." Sie hatte seine Stimme erkannt und sah ihn mit brechenden
Augen an. "Warum, Ral?" Dann durchlief ein Zittern ihren Körper,
ein Blutschwall quoll aus ihrem Mund - sie war tot. Ral hielt sie noch
immer in seinen Armen. Er wußte, ihr Tod bedeutete auch seinen Tod.
All dies ging ihm noch einmal durch den Kopf, als er auf der Brücke
des Sternenzerstörers auf Vader wartete. Da hörte er hinter
sich die schweren mechanischen Atemzüge des Schwarzen Lords. Er war
so in seine Gedanken versunken gewesen, daß er seine Annähe-
rung nicht bemerkt hatte. Ral drehte sich langsam um und nahm Haltung
an. Vader musterte ihn anfangs schweigend. Dann sagte er mit unheilschwangerer
Stimme: "Sie haben mich zum letzten Mal enttäuscht, Captain
Orlans." Vader wußte also schon darüber Bescheid, was
im Inhaftierungsblock geschehen war. Ral spürte, wie seine Kehle
immer enger wurde. Er rang mühsam nach Atem. Seine Hände griffen
an seine Kehle und versuchten die würgende Hand abzuwehren - aber
da war nichts. Trotzdem schnürte sich seine Kehle immer weiter zusammen.
Voller Verzweiflung und Entsetzen blickte er auf die grauenhafte Atemmaske,
die Vaders Gesicht verbirgt. Die einzigen Geräusche auf der Brücke
waren die regelmäßigen mechanischen Atemzüge Vaders und
Rals halbersticktes Röcheln. Er versuchte um Gnade zu flehen, doch
seine Stimme versagte ihm den Dienst. Es war wahr, was behauptet wird,
Vader kann einen Mann mit der Kraft seiner Gedanken töten. Ral sank
auf seine Knie und sah mit flehenden Augen zu Vader auf. Doch der kannte
keine Gnade und drückte weiter zu. Der letzte Gedanke Rals ehe er
starb, war: "Bitte, Nomi, verzeih mir, was ich Dir angetan habe."
Vader wandte sich angewidert von der Leiche zu seinen Füßen
ab und winkte zwei Storm-
troopern. "Schafft ihn weg!" Dann verließ er mit wehendem
Umhang die Kommandobrücke. Er würde sich nach einem Nachfolger
für den Captain umsehen müssen.
© Claudia Riedel nach einer
Idee von Thorsten Rückbrodt 1999
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