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Quälende Erinnerungen
Die Jedi Meisterin Alliya Sunbeam schreckte aus dem Schlaf auf. Nachdenklich
blickte sie in die sie umgebende Dunkelheit. Würden sie diese Erinnerungen
für den Rest ihres Lebens verfolgen? Es war doch nun schon so viele
Jahre her, doch immer wieder quälten sie die Bilder, die sie am liebsten
vergessen würde. Doch für sie gab es kein Vergessen. Kein Vergessen
und keinen Frieden. Selbst dann nicht, wenn sie am Tage mit den von ihr
geretteten Jünglingen, die inzwischen zu jungen Männern und
Frauen herangereift waren, zusammen war. Ständige Besorgnis, dass
die Häscher des Imperators doch den vermeintlich sicheren Zufluchtsort
aufspüren könnten, war ihr Begleiter. Alliya fragte sich, wie
so oft, warum damals keiner im Tempel gespürt hatte, welche Gefahr
sich über ihren Köpfen zusammenbraute. Sie zog schaudernd die
Decke fester um sich, als sie sich bewusst in Erinnerung rief, was einst
im Jedi Tempel geschah.
Der Tag hatte, trotz des Krieges mit den Separatisten, friedlich begonnen
und nichts deutete darauf hin, dass er in Blut, Chaos und Gewalt enden
sollte. Alle gingen den ihnen zugeteilten Aufgaben nach und Alliya wollte
gerade mit einer Gruppe Jünglinge zum Übungsraum gehen, als
sie aus der Ferne Schüsse und Schreie hörte. Verwirrt blickten
die Kinder zu ihr auf. Ein kleines Mädchen fragte: "Was ist
los, Meister Alliya?" Die hochgewachsene Jedi schüttelte den
Kopf. "Ich weiß es nicht, Sahima. Vielleicht sind die Separatisten
in den Tempel eingedrungen." Doch gleichzeitig verneinte sie für
sich selbst diese Antwort. Es erschien ihr unmöglich, das dass geschehen
sein konnte. Nein, die Eindringlinge mussten andere sein. Sie legte den
Finger auf ihre Lippen und bedeutete den Jünglingen ruhig zu sein.
Dann flüsterte sie: "Bleibt hier und rührt Euch nicht vom
Fleck. Ich gehe nachsehen, was los ist." Sie öffnete die Tür,
schlüpfte hinaus und verriegelte die Tür hinter sich. Vorsichtig
ging sie vorwärts und lugte in den großen Korridor, der zum
Eingangstor des Tempels führte. Sie erstarrte vor Entsetzen, als
sie sah, was vor sich ging. Clonetrooper schossen gnadenlos auf alles,
was sich bewegte, selbst die allerjüngsten wurden nicht von ihnen
verschont. Dutzende tote Jedi lagen mit noch rauchenden Einschusslöchern
am Boden. >Das kann nicht sein<,dachte Alliya, >die Klone dienen
der Republik und kämpfen Seite an Seite mit den Jedi gegen deren
Feinde.< Plötzlich erkannte sie in den Rauchschwa-den, die durch
das Blasterfeuer entstanden waren, Anakin Skywalker. Sie wollte schon
auf ihn zulaufen, als sie etwas zurückhielt. Verwirrt blickte sie
auf die Szene, die dann vor ihren Augen ablief. Die Clonetrooper feuerten
nicht auf ihn, wie auf die anderen Jedi, sondern blieben vor ihm stehen
und salutierten. Skywalker nickte und deutete in Richtung Jedi Bibliothek.
Die Klone setzten sich dorthin in Bewegung und waren gerade Alliyas Blicken
entschwunden, als ein Jedi aus der Deckung sprang und Anakin angriff.
Fast beiläufig zün-dete Skywalker sein Lichtschwert und wehrte
den Angriff ab. Es war ein kurzer Kampf und wenige Standardminuten später
lag der Jedi tot zu Anakins Füßen. Dieser wandte sich ab und
folgte den Clonetroopern Richtung Bibliothek. Nun wurde der Jedi Meisterin
endgültig bewusst, dass Skywalker nicht mehr einer der ihren war.
Geräuschlos zog sie sich von ihrem Beobachtungsposten zurück
und ging zu dem Raum, in dem sie die Kinder zurückgelassen hatte.
Als sie die Tür geöffnet hatte, blickte sie in ängstliche
Gesichter. Fieberhaft überlegte sie, was sie nun tun sollte. Sie
musste die Kinder hier herausbringen, koste es, was es wolle. Doch wie
sollte sie das bewerkstelligen? Die Jünglinge würden beim Anblick
der Leichen nicht ruhig bleiben, da war sie sich sicher. Aber es war die
einzige Möglichkeit, um sie verhältnismäßig sicher
in die Kellergewölbe des Tempels zu bringen. Von dort konnten sie,
wenn alles gut ging, ungesehen in den Straßenschluchten von Coruscant
verschwinden. Hätten sie das erst geschafft, würde sie bestimmt
einen Weg finden, um mit den Kindern von dem Planeten zu entkommen und
sie in Sicherheit zu bringen. Ruhig versuchte sie den Jünglingen
zu erklären, was sie draußen erwartete. Fassungslos blickten
die Kinder die Jedi Meisterin an. Schließlich ergriff ein kleiner
Bothan Junge ihre Hand und flüsterte: "Wir kommen mit Dir, Meister
Alliya. Bring uns weg von hier." Die übrigen Kinder nickten
zustimmend und scharten sich um sie. "Also gut, gehen wir."
Vorsichtig öffnete Alliya die Tür und spähte Richtung großem
Korridor. Die Luft war rein und sie winkte mit der Hand, dass ihr die
Kinder folgen sollten. Von fern waren noch immer Schreie und Schüsse
zu hören. Beißender Rauch schlug ihnen von dem im Tempel gelegten
Feuer entgegen, als sie über Leichen steigend Richtung Kellergewölbe
gingen. Hin und wieder bückte sich die Jedi Meisterin und entwand
einem im Kampf gefallenen Jedi das Lichtschwert aus den leblosen Händen.
Den Toten konnten die Waffen nichts mehr nützen, aber vielleicht
den Lebenden. Alliya drehte sich um, als sie ein unterdrücktes Schluchzen
von einem der Kinder hörte und schüttelte den Kopf. Rasch verstummte
das Schluchzen und sie setzten schweigend ihren Weg fort. Schließlich
erreichten sie den Zugang zu den Kellerge-wölben, wo Alliya jedem
der Kinder ein Lichtschwert gab. Unsicher glitten kleine Finger und Klauen
über die viel zu großen Waffen. Die Jedi seufzte bei dem Anblick
und hoffte inständig, dass es nicht zu einem Kampf kommen würde,
in dem ihre Schützlinge kaum eine Chance hätten. Sie aktivierte
ihr Lichtschwert und schritt, gefolgt von den Jünglingen, in den,
wegen des durch das Feuer verursachten Energieausfalls, unbeleuchteten
Gang. Fast hatten sie den rettenden Ausgang erreicht, als Alliya plötzlich
stehen blieb. Sie bedeutete den Kindern ruhig an den Seitenwänden
stehen zu bleiben und ging selbst langsam vorwärts. Vor ihr zeichnete
sich in dem schwachen Schein einer blauen Lichtschwertklinge eine Gestalt
ab. Vorsichtig näherte sie sich, immer bereit einen eventuellen Angriff
abzuwehren. Die Gestalt kam ebenso vorsichtig auf sie zu. Schließlich
trennte sie nur noch eine Schwertlänge voneinander. Erleichtert blickte
Alliya in das vertraute Gesicht von Dusty Mort, mit dem sie gemeinsam
als kleines Mädchen die ersten Schritte in ihrer Jedi Ausbildung
gemacht hatte.
Dustys Gesicht war schmerzverzerrt, doch er brachte es fertig, sie trotzdem
anzugrinsen. Er presste seine Hand auf eine Wunde in seiner rechten Seite
und schüttelte den Kopf, ehe sie etwas sagen konnte. "Das ist
nichts, Alliya. Bist Du allein?" Statt einer Antwort winkte die Jedi
mit ihrem Lichtschwert und Dusty hörte das Trappeln kleiner Füße.
Wenig später war er von Jünglingen umringt, die hoffnungsvoll
zu ihm und Alliya aufsahen. Trotz der ernsten Lage musste Dusty lachen.
"Ich hätte mir denken können, dass Du Deine Schüler
mitbringst. Aber jetzt lasst uns verschwinden, ehe die Clonetrooper sich
auch hier umsehen."
Es gelang ihnen tatsächlich zu entkommen. Die Jedi Meisterin erinnerte
sich voller Dankbarkeit an den Frachterpiloten, der sie und ihre Schützlinge,
ohne viele Fragen zu stellen, zu ihrem Zufluchtsort gebracht hatte. Hier
waren sie nun schon viele Jahre in Sicherheit und vielleicht würden
auch bei ihr mit Dustys Hilfe die quälenden Erinnerungen an Anakins
Verrat an den Jedi verblassen.
© Claudia Riedel 2005
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