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Obi-Wan Kenobi (Episode 1)
(Bau 1999)
Dieses Kostüm war mein erstes Kostüm. Angefangen hat alles
im November / Dezember 1998, als Claudia und ich den ersten Trailer von
Episode 1 gesehen hatten. Da hatte ich den Wunsch, das Jedi Kostüm
von Obi-Wan Kenobi zu haben. Meine Planung begann erst mit dem Mantel,
den ich zunächst als das am schwierigsten herzustellende Teil erachtete.
Kaufen? Selber machen? Diese Überlegung verschob sich bis Mai 1999,
als wir Urlaub in Tunesien machten. Auf dem Basar von Houmt Zouk, auf
der Insel Djerba, stöberte ich nach einem passenden Mantel herum
und hatte mein erstes großes Problem: Es gibt zweierlei typische
Mäntel in Tunesien (oder allgemein Nordafrika): "Burnus",
ein Mantel mit Ärmeln aber ohne Kapuze, oder "Kaftan",
ein Mantel mit Kapuze aber ohne Ärmel. Ich brauchte aber sowohl Ärmel
als auch Kapuze. Was tun? Bei einem älteren Herrn, mit dem wir uns
mit spärlichen Französisch-Kenntnissen einigermaßen verständigen
konnten, einigten wir uns auf zwei Kaftane in "maron", also
braun. Der Stoff gefiel mir auf Anhieb, da er aus weicher, dicker Kamelwolle
ist. Claudia riet mir zu, erst zu Hause, mit Unterstützung ihrer
Mutter (gelernte Schneiderin) den Zuschnitt zu machen. Zwei, drei Tage
hielt ich mich zurück. Dann war aber der Tatendrang doch größer
und ich griff zu Nadel und Faden und nähte mir meinen Mantel. Ich
hatte den Plan, aus zwei Mäntel einen zu machen, da ich ja Stoff
für die Ärmel brauchte. Bald aber merkte ich, daß der
Mantel unten viel länger und ergiebiger war, als ich dachte (ich
zog eine "Schleppe" von fast 30 cm hinter mir her). Also beschloß
ich, beide Mäntel mit Ärmel zu vervollständigen, was mich
fast die zweite Urlaubswoche kostete. Unsere Ausflüge nach Matmata
(Hotel Sidi Driss, die "Lars"-Farm aus Episode 4) und Medinine
(die Kornspeicher, Sklavenquartiere von Mos Espa aus Episode 1) und unzählige
schöne Stunden am Strand und Hotelpool beim STAR WARS-Bücher
schmöken kamen trotzdem nicht zu kurz. Wieder zu Hause angekommen,
ging es daran, den Anzug zu nähen. Dazu mußte mein alter, schnee-weißer
Judo-Anzug her halten, den wir zunächst einmal mit schwarzem Tee
einfärbten (geht wunderbar! Man nehme eine ganze Packung schwarzen
Tee in Teebeuteln und läßt eine Badewanne schön heiß
ein. Dann die Teebeutel rein, kräftig umrühren und den Anzug
unzählige Male durch die Tee-Lauge ziehen. Dann trocknen, fertig!)
Trotz übernatürlicher Kräfte schwitzen auch Jedis, deshalb
muß der Anzug natürlich nach einem schweiß-treibenden
Event gewaschen werden. Die Färbung geht nicht sofort raus, aber
nach dem zweiten oder dritten Male Waschen, sollte man die Färb-Prozedur
wiederholen. Jedenfalls schnitt ich mir den Anzug passend zu. An der Hose
mußte ich überhaupt nichts machen. Das Oberteil mußte
ich stark kürzen. Aus dem übrigen Stoff, machte ich mir den
"Latz", der unterhalb des Bauchs herunter hängt. Aus Teilen
einer alten Lederjacke machte ich mir den Gürtel. Die Schnalle vorne
ist nur eine Attrappe. Verschlossen wird der Gürtel in Wirklichkeit
auf der rechten Seite. Dazu fertigte ich mir noch diverse Taschen und
die goldenen runden Clips am Gürtel. Als Stiefel suchte ich mir ganz
einfache Lederstiefel, die a) möglichst flache Sohlen hatten und
b) keine verschnörkelten Applikationen hatten. An ihren Hinterseiten
hatten die Stiefel Schlaufen zum leichteren Hineinschlupfen. Die schnitt
ich weg und nähte kreisförmig Lederstreifen auf drei Ebenen
um die Stiefel an, ganz so wie im Film zu sehen ist.
Zur STAR WARS-Kultnacht auf Vox, zur Premiere von Episode 1 und zur Nexus
Con ließ ich mir das Haar im Nackenbereich länger wachsen,
damit ich den hinteren Zopf hatte. An der rechten Seite befestigte ich
den typischen dünnen, langen Padawan-Zopf, in den Claudia noch ganz
original die roten und gelben Ringe hinein flocht. Noch das Lichtschwert
von Kenner dazu und fertig war das Obi-Wan Kostüm!
Im Nachhinein sei noch angemerkt, daß ich mir die ganze Arbeit mit
dem Mantel hätte sparen können, in dem ich einfach in Oberbayern
versucht hätte, einen echten Mönchsmantel der Benediktiner,
Zisterzienser oder Franziskaner zu bekommen. Die haben große Kapuzen
und Ärmel. Da hätte ich keinen Millimeter Faden und keine Sekunde
Arbeitszeit verbrauchen müssen. Aber was soll´s: Der Weg ist
bekanntlich das Ziel. Und was gibt es Schöneres, als die Vorfreude
darauf, ein selbstgebautes STAR WARS-Kostüm zu besitzen. Deshalb
ist "nach" dem Kostüm bei mir auch gleichzeitig immer "vor"
dem nächsten Kostüm.
© Thomas Riedel 2002
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